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Meine Erfahrungen mit trächtigen Thamnophis und Vitaminen!

Grübner, D. (2002): Meine Erfahrungen mit trächtigen Thamnophis und Vitaminen! – The Garter Snake, 2/02: 21-24

Am 07.02.02 haben sich meine beiden Thamnophis sirtalis sirtalis WF gepaart. Nach einem kurzen aber heftigen Liebesspiel zogen sich beide Schlangen auf ihre angestammten Ruheplätze zurück, um sich die Sonne auf den Rücken scheinen zu lassen. Ich konnte in den folgenden Tagen keine weiteren Paarungen beobachten, so dass ich mir nicht wirklich sicher sein konnte, ob das Weibchen trächtig war.

Das Weibchen habe ich als gerade Neugeborenes Anfang 2000 aus einem Zooladen bekommen und es hatte die Winterruhe von 2001 auf 2002 glänzend überstanden. Seit 2002 bekam sie, zusätzlich zu Stinten, regelmäßig Mäusebabys von mir und wurde mit Kalzium und Vitaminen versorgt. Sie wurde ausschließlich mit Frostfutter gefüttert.

Bis Mitte März hatte sich an dem Verhalten von meinem WF-Weibchen nichts geändert. Sie verbrachte die meiste Zeit des Tages in einem ihrer Verstecke und fraß kräftig. Ende März änderte sich ihr Verhalten allerdings schlagartig. Sie war ab den Mittagsstunden, zu denen die Spotstrahler in meinen Terrarien eingeschaltet werden, sofort auf dem vom Spot beschienenen Stein und hielt sich dort bis zum Ausschalten der Spots auf. Danach zog sie sich auf einen erhöhten Bereich in der Nähe der Leuchtstoffröhren zurück, um auch dort Wärme zu tanken. Zudem konnte ich eine deutliche Zunahme des Körperumfangs in der hinteren Körperhälfte feststellen, so dass eine Trächtigkeit anzunehmen war. Sowohl für meine Schlange - aktiv - als auch für mich - passiv - die erste.

Das Weibchen hatte bis Anfang April regelmäßig und ausgiebig gefressen und aufgrund meiner Annahme, dass es trächtig sei, habe ich ihm vermehrt Kalzium gegeben, um die Versorgung der Jungen und somit den gesunden Aufbau des Skeletts sicherzustellen. Ab Anfang April stellte sie dann das Fressen ein und ich zählte insgeheim die Tage bis zur Geburt der Jungen.

Am 23.04.02 ist mir dann etwas Seltsames bei dem Weibchen aufgefallen: Zusätzlich zu ihrer erhöhten Aktivität schien es ab und zu so, als ob sie ihren Kopf nicht richtig bewegen konnte, bzw. Schwierigkeiten damit hatte, ihn an einer Stelle zu halten. Vielleicht hatte dieses Verhalten etwas mit der bevorstehenden Geburt zu tun? Ich war mir nicht sicher und beschloss, sie noch einen Tag lang zu beobachten.

Am folgenden Tag musste ich feststellen, dass aus dem kaum zu bemerkenden Koordinationsproblem mittlerweile eine richtige Störung der Motorik geworden war. Das Weibchen kroch völlig lethargisch und ohne Orientierung durch das Terrarium. Es schien so, als ob sie ihre Umgebung gar nicht mehr wahrnahm.

Leider hat mein Tierarzt Mittwochnachmittags keine Sprechstunde, so dass ich erst am Donnerstag früh zu ihm fahren konnte. Die Anzeichen waren für mich nicht ganz eindeutig. Das Verhalten konnte auf eine Legenot hinweisen, aber die Bewegungsstörungen des Kopfes ließen mich eher auf einen Vitamin-B-Mangel schließen.

Im Laufe des Abends verschlechterte sich das Verhalten des Weibchens mehr als dramatisch! Sie war kaum noch in der Lage richtig durch das Terrarium zu kriechen. Meist drehte sie sich in schnellen Windungen um sich selbst und verdrehte dann den Kopf in den Nacken, um letztendlich gänzlich auf dem Rücken zu liegen. Größtenteils bewegte sie sich nur noch auf dem Rücken durchs Terrarium. Die Zeichen sprachen mittlerweile allzu deutlich für eine Vitamin-B-Hypovitaminose.

Abends bekam das Weibchen regelmäßig krampfartige Anfälle, die es durch das Terrarium katapultierten. Mehr als einmal traf es dabei unsanft gegen die Terrarienscheiben. Ich hoffte inständig am nächsten Morgen noch mit dem Tier zum Tierarzt fahren zu können.

Am Donnerstag konnte ich erleichtert feststellen, dass das Weibchen noch am Leben war und brachte es zum Tierarzt. Dort erhielt ich folgende Informationen: Dieses Verhalten kann 1. durch eine Hirnhautentzündung hervorgerufen werden, welche unweigerlich in den nächsten Tagen zum Tod des Tieres führen würde. 2. kann es durch Darmbakterien verursacht werden, deren Behandlung unweigerlich zum Tod der Jungen führen würde, deren Nichtbehandlung aber den Tod der Jungen als auch den des Weibchens zur Folge hätte, oder 3. durch eine Vitamin-B-Hypovitaminose, die bei rechtzeitiger und sachgemäßer Behandlung zur Genesung des Weibchens führen konnte und auch die Jungen nicht direkt beeinflussen sollte.

Mein Tierarzt und ich hielten den Vitamin-B-Mangel für die wahrscheinlichste Ursache der Erkrankung und begannen daher mit der entsprechenden Behandlungen. Ich musste ab diesem Tag dem Weibchen jeden Morgen mit einer Spritze 0,1 ml eines Vitamin-B-Komplexes unter die Haut spritzen.

Nach einigen Tage der Behandlung war eine deutliche Besserung zu erkennen, so dass klar wurde, dass es sich bei der Erkrankung tatsächlich um eine Vitamin-B-Hypovitaminose handelte. Warum diese entstehen konnte wurde mir erst nach einem Ursachenforschungs-Gespräch mit meiner Tierärztin klar: Unter normalen Umständen hätte die Fütterung von Mäusebabys sowie die zusätzliche Gabe von Vitaminen durchaus gereicht, um den Vitaminbedarf des Weibchens zu decken. Allerdings konnte wegen der verschärften Bedingungen, hervorgerufen durch die Trächtigkeit im Endstadium sowie der damit zusammenhängenden Futterverweigerung, dieser Vitaminmangel entstehen. Das Weibchen wendet zum Ende einer Trächtigkeit enorm viele Vitamine auf, um die Jungen damit zu versorgen und sie somit auf die Geburt vorzubereiten.

Seit diesem Ereignis habe ich eine Flasche mit einem Vitamin-B-Komplex in meinem Kühlschrank stehen und spritze in unregelmäßigen Abständen etwas davon in die Futtertiere.

Leider hat diese Geschichte ein teilweise tragisches Ende. Das Weibchen hat Anfang Mai neun Jungtiere zur Welt gebracht, wovon es allerdings nur drei aus den Eihüllen geschafft haben. Aufgrund meiner Abwesenheit sind die anderen sechs in ihren Eihüllen erstickt. Auch wurde das Weibchen von der Geburt so mitgenommen, dass es nach einigen Tagen ebenfalls verstorben ist. Der Vitaminmangel und die Geburt haben es so entkräftet, dass es nicht mehr in der Lage war Futter aufzunehmen und auch durch Zwangsfütterung nicht am Leben gehalten werden konnte.



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