[ DE |  EN ]   
home
       
  biologie
  farbformen
  genetik
 
 
Farbformen
 

Um Interessierten und angehenden Züchtern einen kleinen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Farbvariationen bei Strumpfbandnattern zu geben, möchte ich an dieser Stelle die grundlegenden und häufigsten Phänotypen vorstellen. Vorweg sei gesagt, dass sich bei nahezu allen Schlangen, also auch bei Strumpfband- und Bändernattern, das Erscheinungsbild des Wildtyps aus den Farben Schwarz (Melanin), Rot (Erythrin) und Gelb (Xanthin) zusammensetzt. Wie ich im Kapitel Genetik eingehender erkläre, gibt es rezessive Gene, die zum Fehlen, zur Verminderung oder zum Überschuss einzelner oder auch mehrerer Farbstoffe führen können sofern sie homozygot vorliegen. Neben diesen rezessiven Genen, gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten der Vererbung, die zu speziellen Erscheinungsformen bei den Tieren führen können. Leider sind diese nicht nach Mendel mit einer hohen Sicherheit und Vorhersagbarkeit zu züchten und bedürfen eines größeren züchterischen Aufwandes.

 
 
amelanistisch amelanistisch florida blue amelanistisch Iowa
amelanistisch Kenton County amelanistisch Nebraska anerythristisch
axanthisch blue morph dark morph
erythristisch flame florida blue
leuzistisch melanistisch melanistisch-amelanistisch
orange red albino red morph
snow snow Iowa snow Nebraska
wildfarbend
 
 
amelanistisch
Amelanistisch bezeichnet das Fehlen von schwarzen Pigmenten in der Zeichnung eines Tieres. Die roten und gelben Farbpigmente werden weiterhin im vollen Umfang ausgebildet. Aus diesem Grund kann man auf amelanistischen Tieren sehr häufig entsprechend gefärbte Zeichnungsmuster erkennen.

Bei Strumpfbandnattern sind verschiedene, nicht untereinander kompatible, Varianten des Amelanismus bekannt, die gesondert von mir beschrieben werden. Allen amelanistischen Linien ist jedoch gemein, dass sie sich frei nach Mendel dominant - rezessiv vererben.
 
 
amelanistisch florida blue
Bei dieser Farbform handelt es sich um amelanistische Tiere, die aus dem Verbreitungsgebiet der Farbvariante "florida blue" von Thamnophis sirtalis sirtalis stammen. Die Tiere weisen die typische Musterung der normalerweise bläulich gefärbten Tiere aus der Region auf und zeigen auch in der amelanistischen Variante einen leichten irisierenden Schimmer, der von den in der Haut eingelagerten Kristallen herrührt.

Der Vererbungsgang vollzieht sich dominat-rezessiv.

Bislang ist diese Farbvariante in den USA extrem selten. Um die Jahrtausendwende war in Europa lediglich die Existenz eines einzelnen heterozygoten Tieres bekannt, das vermutlich ohne jemals Jungtiere gezeugt zu haben verstarb.

Im Jahr 2008 konnte ich 1,2 amelanistische Jungtiere aus den USA importieren, die ich über Scott Felzer von einem unbekannten Züchter erhielt. Leider verstarben bei der Aufzucht 1,1 der Jungtiere, sodass im Jahr 2011 erstmals heterozygote Jungtiere geboren wurden. Nach dieser Geburt verstarb leider auch das amelanistische Muttertier, sodass jetzt die Hoffnungen auf den verbliebenen heterozygoten Jungtieren liegen. 2013 wurde von den ersten amelanistischen Jungtieren berichtet, die allerdings allesamt kurz nach der Geburt aus ungeklärten Gründen starben. Für 2014 sind erneut Nachzuchtversuche geplant. Über den Erfolg kann ich hoffentlich auf den Nachzuchtseiten von gartersnake.de berichten.
 
 
amelanistisch Iowa
Bei der Bezeichnung Iowa handelt es sich ausschließlich um die Herkunftsbezeichnung einer amelanistischen Linie von Thamnophis radix. Solche Tiere wurden fälschlicher Weise auch gerne als "classic albinos" bezeichnet. Diese Benennung ist nicht nur rein wissenschaftlich falsch, sondern stiftet auch Verwirrung im Bezug auf andere amelanistische Linien.

Die Iowa-Linie ist nicht kompatibel mit der Nebraska-Linie.

Von der Iowa-Linie gibt es zudem noch Tiere, die durch eine außergewöhnliche Rotfärbung glänzen. In Amerika werden solche Tiere "red albino", "christmas albino", "super christmas albino" oder "Hybino" genannt. Bei allen diesen amelanistischen Tieren handelt es sich um Auswahlzuchten aus der Iowa-Linie, die auf einen besonders hohen Rotanteil hin gezüchtet wurden. Diese rote Färbung vererbt sich unabhängig von dem Amelanismus und außerdem auch nicht nach den Mendel´schen Gesetzen. Vielmehr vererbt sich dieses Rot gemäß der Beschreibung zu den erythristischen Tieren.
 
 
amelanistisch Kenton County
Das ursprüngliche Weibchen wurde 2006 in Kenton County gefunden und nachfolgend an Scott Felzer abgegeben. Dieser versuchte leider vergeblich das Weibchen zur Nachzucht zu bringen und schenkte es im Herbst 2008 Daniel Grübner, damit er sein Glück versuchen sollte.

2009 kam es zur ersten erfolgreichen Nachzucht. Der gesamte Wurf bestand aus normal gefärbten Jungtieren, sodass anzunehmen war, dass es sich bei dieser Farbform um einen dominant-rezessiven Erbgang handelt.

2012 gelang nun endlich die Rückkreuzung der vermeintlich heterozygoten Jungtiere aus dem Jahr 2009. Das wildgefangene Weibchen verstarb leider im Jahr 2011 ohne weitere Nachzuchten abgesetzt zu haben. Der Wurf aus dem Jahr 2012 brachte neun lebende Jungtiere. Sieben Tiere waren wildgefärbt, zwei waren amelanistisch für "Kenton County". Damit ist der Nachweis erbracht, dass es sich bei dieser Farbmutation um eine handelt, die dominant-rezessiv vererbt wird.

Für die Zukunft stehen für diese Farbform zwei Dinge auf der Agenda: Die Farbform für die Haltung in Terrarien durch erfolgreiche Nachzucht zu etablieren und außerdem auszutesten, ob es sich tatsächlich um eine eigenständige Linie handelt, die nicht mit der bekannten "Shuett"-Linie kompatibel ist.
 
 
amelanistisch Nebraska
Bei der Bezeichnung Nebraska handelt es sich ausschließlich um die Herkunftsbezeichnung einer amelanistischen Linie von Thamnophis radix. Solche Tiere wurden fälschlicher Weise auch gerne als "purple blotched albinos" bezeichnet.

Die Nebraska-Linie ist nicht kompatibel mit der Iowa-Linie.
 
 
anerythristisch
Anerythristisch bezeichnet das Fehlen von roten Pigmenten in der Zeichnung eines Tieres. Die schwarzen und gelben Farbpigmente werden weiterhin im vollen Umfang ausgebildet. Tiere mit einer entsprechenden Farbmutation erscheinen häufig sehr dunkel, ohne auffallende Zeichnungsmuster. Anerythristische Strumpfbandnattern erscheinen dem Betrachter sehr dunkel violette gefärbt.

Anerythrismus ist bisher nur bei Thamnophis radix und bei Thamnophis sirtalis parietalis bekannt und genetisch überprüft worden. Bei beiden Arten/Unterarten vererbt sich diese Farbmutation dominant - rezessiv.

Weiterhin wird vermutet, dass es anerythristische Tiere bei Thamnophis sirtalis sirtalis geben könnte. Hier steht eine Überprüfung der Genetik jedoch noch aus.
 
 
axanthisch
Axanthisch bezeichnet das Fehlen von gelben Pigmenten in der Zeichnung eines Tieres. Die roten und schwarzen Farbpigmente werden weiterhin im vollen Umfang ausgebildet. Axanthische Strumpfbandnattern sind bisher nachweislich nur bei der Art Thamnophis radix bekannt. Tiere mit einer entsprechenden Farbmutation zeigen sich in einer sehr dunklen Grundfärbung. Der Dorsal- und die Lateralstreifen schimmern bei frisch gehäuteten Tieren in einem leichten Grünton.

Bei den axanthischen Tieren ist man sich bisher noch nicht sicher, wie sich diese Farbmutation vererbt. In Amerika wird von einem co-dominanten Erbgang gesprochen. Die ersten Nachzuchterfolge in Deutschland zeigen jedoch, dass dem mit Siicherheit nicht so ist. Viel mehr zeichnet sich ab, dass es sich bei diesem Erbgang ebenfalls um einen dominant - rezessiven handelt. Endgültig Aufschluss über dieses Mysterium werden vermutlich die Nachzuchtversuche in 2008 geben.
 
 
blue morph
Die Bezeichnung "blue morph" ist erst seit kurzem für die blau gefärbte Variante von Thamnophis sirtalis pickeringii geläufig. Bei diesen blau gefärbten Tieren handelt es sich um den ursprünglich beschriebenen Wildtyp. In Deutschland waren jedoch eher die rot gefärbten Tiere bekannt, so dass diesen der Ruf des Gewöhnlichen anhaftet. Eine irrtümliche Annahme.

Auch die blaue Färbung der T. s. pickeringii wird nicht nach Mendel vererbt und kann über strikte Auswahlzucht intensiviert werden.
 
 
dark morph
Die Bezeichnung "dark morph" ist bisher nur für Thamnophis ordinoides bekannt. Die Tiere sind durchgängig dunkel allerdings nicht schwarz gefärbt. Bei einigen dieser Tiere kann ein hellerer Dorsal-Streifen erkannt werden. Im Grunde sehen diese Tiere in ihrer Färbung anerythristischen Exemplaren von Thamnophis radix oder Thamnophis sirtalis parietalis ähnlich.

Bisher konnte noch nicht geklärt werden, ob es sich bei diesen Tieren nicht tatsächlich um anerythristische Thamnophis ordinoides handelt. Die natürliche Variabilität der Färbung bei diesen Tieren legt jedoch die Vermutung nahe, dass es sich um eine natürliche Zeichnungsvariante handelt und nicht um eine Farbmutation.
 
 
erythristisch
Erythristisch ist ein nicht sehr scharf definierter Begriff. Als erythristisch werden gemeinhin alle die Tiere bezeichnet, die mit einem wildfarbenen verglichen einen erhöhten Rotanteil in ihrer Färbung aufweisen.

Es gibt einige Populationen, in denen die überwiegende Zahl der Individuen erythristisch ist. So zum Beispiel bei Thamnophis elegans terrestris, Thamnophis sirtalis pickeringii oder auch Thamnophis sirtalis sirtalis.

Die bekanntesten erythristischen Formen sind wohl Thamnophis elegans terrestris "red morph" oder auch Thamnophis sirtalis sirtalis "flame". Mehr zur "flame"-Variante unter dem entsprechenden Punkt.

Erythrismus vererbt sich leider nicht, wie gerne angenommen und verbreitet wird, intermediär, co-dominant oder gar dominant - rezessiv. Die Vererbung des Rotanteils geschieht eher nach einem zufälligen Muster und basiert auf den Eigenschaften der Elterntiere. Verpaart man zwei Tiere, die einen erhöhten Rotanteil in der Zeichnung aufweisen, so kann man davon ausgehen, dass unter den Jungtieren einige sein werden, die deutlich roter gefärbt sind, als die Eltern. Einige der Jungtiere werden weniger Rot zeigen und ein größerer Teil wird den Eltern ähnlich sehen. Über eine strikte Auswahlzucht kann man so über mehrere Generationen Tiere mit einem sehr hohen Rotanteil erhalten.
 
 
flame
Bei "flame"-Tieren handelt es sich um sehr rote Vertreter aus der Art Thamnophis sirtalis sirtalis. "Flame" ist lediglich eine andere Bezeichnung für erythristisch. Ursprünglich sind die heutigen "flame"-Tiere aus erythristischen T. s. sirtalis entstanden, die von Philip Blais über viele Generationen miteinander verpaart wurden und bei denen er eine strenge Auswahl der Zuchttiere hinsichtlich ihrer Rotfärbung durchführte. Auf diese Weise sind die fast unwirklich roten "flames" entstanden, die heute fast jeder Thamnophis-Freund sein Eigen nennen möchte.

Spricht man über "flames", so kommen immer wieder auch die Bezeichnungen "speckled flame" oder "crimson flame" ins Spiel. Bei diesen beiden Bezeichnungen handelt es sich wohl lediglich um die Versuche, etwas anders gezeichnete rote sirtalis sirtalis zu benennen. Es ist nicht bekannt, ob "speckled flames" oder auch die "crimson flames" aus eigenständigen Linien entstanden sind, oder sich aus der ursprünglichen "flame"-Zucht entwickelt haben. Ich gehe davon aus, dass es sich bei allen diesen Tieren schlicht um "flames" handelt. Die einen haben eben etwas mehr Rot, die anderen etwas weniger.
 
 
florida blue
"florida blue" bezeichnet bläulich erscheinende Vertreter von Thamnophis sirtalis sirtalis, die ausschließlich im Süd-Osten der Vereinigten Staaten zu finden sind. Das Blau wird durch die Reflexion von Licht durch spezielle Kristalle in der Haut der Tiere erzeugt.

Wenn man in den letzten Jahren den Großteil der angebotenen "florida blue"-Tiere angesehen hat, so kann einem durchaus gestattet sein, wenn man sich fragt: Was ist an diesen Tieren blau? Der überwiegende Teil dieser Tiere erscheint in einem Grau oder bestenfalls Graublau. Ich möchte darauf hinweisen, dass dieser Verlust der blauen Färbung bei den Terrarienpopulationen von "florida blue"-Tieren wohl auf eine unachtsame Vermehrung der Tiere in der Vergangenheit zurückzuführen ist. Es wurde wohl zu wenig Augenmerk auf die Erhaltung der blauen Färbung gelegt, so dass sich langsam aber sicher der graue Einheitsbrei bei den "florida blue" Tieren eingeschlichen hat.

In den Verbreitungsgebieten dieser Tiere in den USA werden hingegen durchaus häufig richtig blaue Schlangen gefunden, die ihrem Namen alle Ehre erweisen.

Auch die Vererbung der blauen Färbung verläuft nicht nach Mendel und ist somit nicht dominant - rezessiv oder dergleichen. Auch hier muss der Züchter eine genaue Auswahl der Elterntiere durchführen, um die blaue Färbung zu erhalten oder gar zu intensivieren.
 
 
leuzistisch
Leuzismus beschreibt allgemein Tiere, denen jegliches Farbpigment fehlt. Sie erscheinen daher rein weiß und sind somit mit echten albinos zu vergleichen. Im Unterschied zu Albinos weisen leuzistische Tiere allerdings nicht die typischen roten Augen auf. Leuzistische Tiere haben schwarze oder blaue Augen.

Bei Thamnophis sind leuzistische Tiere bislang nur von Thamnophis radix und von Thamnophis sirtalis sirtalis bekannt. Das einzige bisher bekannte Tier von Thamnophis radix ist allerdings ohne Nachkommen zeugen zu können verstorben.

Von Thamnophis sirtalis sirtalis sind mittlerweile mehrere Nachzuchten der leuzistischen Linie geglückt, sodass diese Tiere jetzt auch in Deutschland erhältlich sind. Der Erbgang verläuft nach den mendelschen Regeln dominant-rezessiv.

Interessant ist allerdings, dass bei dieser Form des Leuzsimus durch gezielte Zucht die Möglichkeit zur Einbringung von Farben besteht. So wurden durch das Einkreuzen erythristischer Tiere Leuzisten geboren, die eine rötliche Grundfärbung aufweisen. Dies legt nahe, dass es sich bei der beschriebenen Form nicht um einen echten Leuzismus handelt.

Weiterhin sind bei der Zucht Tiere aufgetreten, die über den Körper verteilt farbige Schuppen zeigten. Diese Erscheinungsform wird mit dem Zusatz "Paradox" beschrieben.
 
 
melanistisch
Melanistisch bedeutet schlicht, dass die entsprechenden Tiere besonders viel Melanin, also vereinfacht gesagt schwarze Pigmente, produzieren. Diese Überproduktion der schwarzen Farbpigmente führt dazu, dass sämtliche anderen Farben durch die schwarzen Pigmente überlagert werden. Das die eigentliche Farbe nur überlagert und nicht ersetzt wird, kann man bei manchen melanistischen Tieren an der noch vorhandenen Zeichnung erkennen. Eigentlich hell gefärbte Bereiche des Körpers sind nur dunkelgrau, wohingegen der restliche Körper richtig schwarz ist.

Melanimus muss nicht immer die gesamte Körperfärbung betreffen. Es gibt durchaus auch Tiere, die nur schwarz gescheckt sind. Insbesondere von Thamnophis elegans vagrans sind solche Tiere bekannt. Auch der Klassiker unter den melanistischen Tieren, die Thamnophis sirtalis sirtalis, weist eine weiße Kehlzeichnung und teilweise weiße Dorsal- und Lateralstreifen, bei ansonsten komplett schwarzem Körper auf.

Melanismus vererbt sich einfach dominant - rezessiv.
 
 
melanistisch-amelanistisch
Diese Farbvariante kommt ausschließlich bei Thamnophis sirtalis sirtalis vor. In den USA wird ein entsprechendes Tier schlicht snow genannt. Dies mag in Hinsicht auf das Aussehen ganz plausibel klingen. Betrachtet man jedoch die Genetik, dann fällt auf, dass diese Tiere nichts mit einer klassischen snow gemein haben.

Die klassiche snow zeichnet sich durch das Fehlen aller roten und schwarzen Pigmente aus. Dies wird durch die Vereinigung von Amelanismus und Anerythrismus in jeweils homozygoter Form in einem Tier erreicht.

Die sirtalis-snows hingegen wurden durch die Vereinigung von Melanismus und Amelanismus in homozygoter Form in einem Tier gezüchtet. Interessanter Weise sehen die entsprechenden Tiere einer klassischen snow auf den ersten Blick recht ähnlich. Sie weisen nur noch eine reduzierte Zeichnung auf und zeigen sich in einem hellen, zweifarbigen Kleid.

Auf den zweiten Blick fällt jedoch etwas sehr Spannendes auf. Im Grunde führt Melanismus zu einer erhöhten Prdouktion von Melanin in den entsprechenden Zellen. Dies führt weitergehend zu einer Überlagerung, nicht aber zu einem Verschwinden, der eigentlichen Zeichnung und zu dem sehr dunklen, meist schwarzen, Aussehen der entsprechenden Tiere. Nun sollte man annehmen, dass das gleichzeitige Einbringen von Amelanismus zu einem kompletten Verschwinden der schwarzen Farbpigmente führt. Damit sollte die eigentliche Zeichnung wieder sichtbar werden und im Grunde ein normales, amelanistisches Tier Zustande kommen. Dem ist aber nicht so.

Die melanistisch-amelanistischen Tiere weisen die typischen Zeichnungselemente eines melanistischen Tieres auf. Sie haben einen reduzierten Rückenstreifen und sehr verkürzte Seitenstreifen, welche genauso weiß sind, wie auch bei manchen, unsauber gezeichneten, melanistischen Tieren. Auch die Kehle ist bei den melanistisch-amelanistischen Tieren hell gefärbt. Der Rest des Körpers ist zeichnungslos und rosa gefärbt.

Es erscheint mir sehr wichtig, diese Tiere nicht nach der amerikanischen Vorgabe zu benennen, da hierdurch eine starke Konfusion über die genetischen Begebenheiten entstehen könnte. Es steckt eben kein Anerythrismus drin, sondern tatsächlich Melanismus.

Diese Farbform wird nach den Regeln von Mendel gezüchtet. Allerdings gilt es zu beachten, dass hier zwei Merkmale getrennt voneinander vererbt werden.
 
 
orange
Bei dieser Farbform handelt es sich um eine weitere rötlich gefärbte Form der Thamnophis sirtalis sirtalis. Soweit mir bekannt ist, gibt es von diesen Tieren bisher nur ein einzelnes Pärchen in Europa. Die Tiere wurden in Kanada von einem trächtig gefangenen Wildfangweibchen abgesetzt. Das Weibchen war nicht so auffällig orange gefärbt, wie ein Großteil der Nachzuchten. Über das Vatertier ist logischer Weise nichts bekannt.

Der auffälligste Unterschied zur flame-Variante oder auch zu den erythristischen Tieren, ist der durchgängig orange gefärbte Rückenstreifen.

Diese Färbung wird aller Voraussicht nach ebenfalls nicht dominant - rezessiv vererbt.
 
 
red albino
Die Bezeichnung "red albino" wird ausschließlich für Thamnophis radix genutzt. Die Tiere sind amelanistisch Iowa und zudem erythristisch. Der Amelanismus vererbt sich dominant-rezessiv wohingegen sich die Rotanteile zufällig vererben.

Die red albinos sind nicht mit der Nebraksa-Linie kompatibel.

Besonders rot gefärbte amelanistische Tiere wurden in den USA als christmas albinos bezeichnet. Diese Bezeichnung hat sich in Deutschland nicht durchgesetzt.
 
 
red morph
Die Bezeichnung "red morph" hat sich bei verschiedenen Strumpfbandnatternarten und -unterarten für besonders rot gefärbte Exemplare eingebürgert.

Im Grunde genommen handelt es sich auch bei diesen Tieren schlicht um erythristische Vertreter der Art/Unterart.

Der bekannteste "red morph"-Vertreter ist wohl Thamnophis elegans terrestris "red morph". Aber auch Thamnophis sirtalis pickeringii oder Thamnophis ordinoides weisen "red morph"-Varianten auf.

Auch die "red morph"-Variante vererbt sich über Auswahlzucht und nicht nach Mendel.
 
 
snow
Snow bezeichnet Tiere, die nahezu weiß sind und kaum noch Zeichnungselemente aufweisen. Snow-Tiere entstehen gemeinhin aus einer Kombination von Amelanismus und Anerythrismus. Beide Farbmutationen müssen homozygot vorliegen. Hieraus ergibt sich, dass die entsprechenden Tiere nur noch die gelben Farbpigmente aufweisen und eine entsprechende Zeichnung zeigen. Diese Zeichnung ist bei Jungtieren nur sehr schwer, wenn überhaupt zu erkennen. Erst wenn die Tiere älter und größer werden, kann man die gelblichen Zeichnungselemente erkennen.

Snows sind bei den Strumpfbandnattern bisher nur von Thamnophis radix bekannt. Eine entsprechende Bezeichnung wird mittlerweile auch Tieren von Thamnophis sirtalis sirtalis gegeben. Die so bezeichneten Tiere entstehen jedoch aus dem homozygoten Vorliegen von Amelanismus und Melanismus. Da sie jedoch auffallend anders aussehen, als normale amelanistische Tiere, muss der Melanismus, der ja eigentlich durch den Amelanismus ausgeschaltet werden sollte, irgendeine tiefergehende Wirkung auf die Färbung und Zeichnung der entsprechend betroffenen Tiere haben. Mehr zu dieser Variante unter melanistisch-amelanistisch.

Auch snow-Tiere entstehen nach Mendel über den dominant - rezessiven Vererbungsweg, wobei hier zwei Farbmerkmale in die Vererbung hineinspielen.
 
 
snow Iowa
Gibt es amelanistische Iowa-Tiere, so muss es bei vorhandenen anerythristischen Gegenstücken auch die entsprechenden snow-Tiere geben. Unter Beibehaltung der Herkunftsbezeichnung werden diese ausschließlich bei Thamnophis radix vorkommenden snow-Tiere schlicht "Iowa snows" genannt.

Die Iowa-Linie ist nicht kompatibel mit der Nebraska-Linie.
 
 
snow Nebraska
Gibt es amelanistische Nebraska-Tiere, so muss es bei vorhandenen anerythristischen Gegenstücken auch die entsprechenden snow-Tiere geben. Unter Beibehaltung der Herkunftsbezeichnung werden diese ausschließlich bei Thamnophis radix vorkommenden snow-Tiere schlicht "Nebraska snows" genannt.

Die Nebraska-Linie ist nicht kompatibel mit der Iowa-Linie.
 
 
wildfarbend
Unter "wildfarbend" versteht man jedes Zeichnungs- und Färbungsmuster, welches der natürlichen Erscheinungsform eines Großteils einer Art oder Unterart entspricht.

Die Färbung bei den meisten Schlangen wird durch die Bildung dreier Farbpigmente erzeugt: schwarz, rot und gelb. Kommt es durch Mutationen zu Fehlern bei der Bildung dieser Farbpigmente, zeigen sich die entsprechenden Tiere in zum Teil spektakulär veränderten Färbungen.

Ich möchte an dieser Stelle unbedingt darauf hinweisen, dass wenn man von einer normal gefärbten Schlange oder einem sonstigen normal gefärbten Tier sprechen möchte, man keines Falls von einem "nominaten" Tier sprechen darf oder gar der Nominatform. Diese Bezeichnung hat nichts mit der Färbung zu tun, sondern bezieht sich auf die Taxonomie. Nominatformen sind die namensgebenden Arten, die gemeinhin als erste ihrer Art beschrieben wurden.

So ist zum Beispiel die Thamnophis sirtalis sirtalis die Nominatform für den gesamten sirtalis-Komplex, also für deren Unterarten. Somit ist auch ein melanistischer T. s. sirtalis eine Nominatform, er ist aber bei Weitem nicht wildgefärbt. Möcht man also eine Aussage über die Färbung eines Tieres treffen und eine normale Farbgestaltung beschreiben, so ist man auf den Begriff "wildgefärbt" oder "wildfarbend" angewiesen.
 

 
© gartersnake.de // Reptile-Manager by C. Birk